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Tagesausgabe

Xi Jinping und Donald Trump: Ein günstiges Duell

Die geopolitischen Auswirkungen eines möglichen Trump-Rückkehrs ins Weiße Haus könnten für China von Vorteil sein. Xi Jinping könnte sich keinen günstigeren Gegner wünschen.

Jonas Fischer··2 Min. Lesezeit

Die geopolitische Landschaft hat sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt, und die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA werfen einen langen Schatten auf die internationale Diplomatie. Im Zentrum dieser Entwicklungen steht nicht nur die Frage, wer das Weiße Haus übernehmen wird, sondern auch, welche Auswirkungen dies auf die Beziehungen zwischen den USA und China haben könnte. Insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Rückkehr von Donald Trump als Präsident wird deutlich, dass Xi Jinping, der Staatspräsident Chinas, sich keinen günstigeren Gegner wünschen kann.

Donald Trump hat in seiner ersten Amtszeit eine Politik verfolgt, die von Unberechenbarkeit und einem wenig diplomatischen Umgang geprägt war. Diese Eigenschaften könnten in einem erneuten Wahlkampf noch verstärkt zum Tragen kommen. Trump hat den Multilateralismus und die internationalen Handelsabkommen sowohl in Frage gestellt als auch teilweise aufgelöst. Mit einer Rückkehr zu seinen früheren Praktiken könnte er die transatlantischen Beziehungen weiter strapazieren und damit einer konfrontativen Haltung gegenüber China Vorschub leisten.

Für Xi Jinping könnte dies eine willkommene Gelegenheit darstellen, seine geopolitischen Ambitionen voranzutreiben. Ein Trump, der in der Innenpolitik beschäftigt ist und den internationalen Dialog vernachlässigt, könnte es China erleichtern, seine Position in Asien und darüber hinaus zu festigen. Die bereits bestehenden Spannungen im Indopazifik würden wahrscheinlich eher zunehmen, während die USA unter einem Trump-Regime weniger in der Lage wären, eine strikt antichinesische Haltung einzunehmen oder sogar Bündnisse mit anderen Ländern zu stärken.

Ein weiterer Aspekt ist Trumps Neigung, Einladung zu bilateralen Gesprächen und Handelsabkommen bevorzugen zu wollen, anstatt sich auf multilaterale Verhandlungen einzulassen. Das könnte dazu führen, dass Xi Jinping erfolgreich bilaterale Abkommen mit anderen Ländern abschließt, während die USA isoliert erscheinen. Diese Form der Diplomatie bietet Xi strategische Vorteile, die er möglicherweise zu nutzen weiß, um Chinas Einfluss in der Welt zu erweitern, während ein Trump-Regime Gleichgültigkeit gegenüber internationalen Normen zeigt.

Während Xi Jinping sich also auf eine mögliche Lockerung des internationalen Drucks in einer Zeit der Instabilität vorbereiten könnte, könnten sich die amerikanischen Wähler in der Umklammerung populistischer Rhetorik und nationaler Interessen wiederfinden. Dies könnte zu einer weiteren Spaltung in der amerikanischen Politik führen, die letztlich auch das diplomatische Gewicht der USA auf der globalen Bühne reduzieren könnte. In einem derartigen Szenario würde Xi Jinping die Möglichkeit haben, Chinas Einfluss auszuweiten, ohne nennenswerte Gegenmaßnahmen zu erwarten.

Die Unberechenbarkeit eines möglichen Präsidenten Trump würde nicht nur die US-amerikanische Innenpolitik prägen, sondern auch die internationalen Beziehungen. In der aktuellen geopolitischen Realität könnte Xi Jinping die Rückkehr eines Präsidenten Trump im Weißen Haus als strategischen Vorteil für China interpretieren. Während Trumps unorthodoxe Herangehensweise an internationale Angelegenheiten viele Risiken birgt, könnte sie für Xi die Gelegenheit darstellen, seine geopolitischen Ziele mit weniger Widerstand zu verfolgen.

Die Verwicklung der USA in interne Konflikte, gepaart mit Trumps Neigung zur einseitigen Politik, könnte Xi Jinping vor eine einmalige Chance stellen, die globale Agenda nach Chinas Vorstellungen zu gestalten, während die USA sich mit ihrer eigenen politischen Unruhe auseinandersetzen müssen.